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I NEVER PROMISED YOU A ROSE GARDEN

In Gesine Kikols Bildern begegnet man einer skurrilen Versammlung von Wesen und Gegenständen:
Hofdamen aus einer anderen Zeit, wie Mme de Pompadour, die Mätresse des Königs von Frankreichs oder eine Kurprinzessin in einem eng geschnürten Kleid.
Dürers Dame mit dem Hermelin ist auch da, nur mit dem Hermelin stimmt irgendetwas nicht.

Ein unschuldig stehendes Mädchen in Rosenstöcken vermittelt eine idyllische leicht kitschige Atmosphäre, erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass sie gerade genüsslich verstohlen einen Frosch unter ihren Füssen zerquetscht.

Ein kleiner Bacchus wurde als Mitbewohner für das Atelier gemalt, von dessen Wand er aufmunternd mit einem Glas Wein der Künstlerin zuwinkt.

Währenddessen finden sich in anderen Bildern überdimensional große Frösche zum Geschlechtsakt zusammen, mal sind es zwei, mal drei, mal vier. Es scheint sie nicht zu stören, dass sie beobachtet werden.

In einer silbern glänzenden nordischen Schneelandschaft kann man sich verlieren und völlig eintauchen in ihre ruhige, fremde, eigenartige Erscheinung. Erst bei näherem Betrachten sieht man ein anderes, neues Bild: hier ist das Werk der Malerin ausgebreitet, sie ist auf Motivjagd gegangen, die Ausbeute liegt in der Landschaft verstreut. Immer schwingt bei aller Morbidität oder fraglicher Erotik auch Ironie, Augenzwinkern und Witz mit.

Bei aller Inhaltlichkeit gibt es auch ein rein malerisches Interesse, es geht um die Untersuchung des Mediums der Malerei und ihrer Möglichkeiten mit all ihrer Höhen und Tiefen.

Die Malweise Kikols zeichnet sich durch einen gestischen Pinselduktus aus. Pastose Farben werden mit lasierenden Farben kombiniert. In schnellem Strich werden manche Dinge nur angedeutet und dabei das Wesentliche dargestellt. Wie aus einem cremigen Farbbrei schälen sich die Dinge heraus und werden sichtbar oder verschwinden wieder in ihm.

Wie so oft in Gesine Kikols Bildern fühlt man sich in eine andere Welt versetzt, die auf den ersten Blick anders erscheint als auf den zweiten. Idylle kann täuschen, so wie die Künstlerin sagt: „I never promised you a rose garden…“

Galerie Dagmar Schmidla, Köln, 2009

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